Leseprobe "Tupperparty"

Tupperparty

Stellen sie sich zwölf Kohlenhändler vor. Jeder Händler kauft jeden Monat bei einem anderen seine Kohle. Sie behaupten alle, die beste Kohle zu haben. Der eine hat Braunkohle, der andere Steinkohle oder Briketts. Aber sie haben ihre Kohle alle vom selben Großhändler. Bis das Jahr herum ist, hat so jeder etwas verdient. Heute nennt man das Tupperparty. Wir Männer haben dafür unseren Stammtisch. Allerdings verdient da nur der Bärenwirt, aber das nehmen wir in Kauf. Dafür müssen wir auch nichts mit nach Hause bringen, was man nicht brauchen kann und dafür ziemlich teuer und nicht kaputt zu kriegen ist. Unser Rausch verfliegt von alleine wieder.

Meine Frau geht jede Woche zu einer Tupperparty. Ich kann mir nichts Langweili-geres vorstellen. Sie will nur auf der Höhe des Angebots bleiben. Sie kauft natürlich nichts. Seither essen wir aus Tupperschüsseln und Tuppertellern, haben zehn Keksdosen, fünf Salatschleudern, eine Nudelmaschine und drei Brotbackmaschinen. Den Rest hat Opa in seinem Schlafzimmerschrank eingelagert. Ich habe mich geweigert, mein Bier aus einem Tupperglas zu trinken. Ist denn dieser Firma nichts mehr heilig? Weiß die denn nicht, was ein mittlerer Beamter verdient, der keine Möglichkeit hat, an Schmiergelder heran zu kommen? Alwin, vom Bauamt, kann sich eine Frau leisten, die jede Woche zum Friseur geht. Heinz, von der Führerscheinstelle, hat sich schon das zweite Haus gekauft und fährt jedes Jahr nach Thailand. Ich habe mich jetzt auf die freie Stelle des Leiters für Erteilung von Aufenthaltserlaubnissen beworben. Sie wurde frei, weil der Vorgänger seit über einem Jahr in Russland vermisst wird. Angeblich sucht er dort nach einem illegalen Ausreißer. Seine Frau hat sich in ihr Ferienbungalow in der Schweiz abgesetzt. Sie organisiert von dort die Tupperpartys.

Ich weiß nicht, wer am Stammtisch auf die blöde Idee kam, zu mir nach Hause zu gehen und die Frauen bei der Tupperparty zu überraschen. Der Weg zu mir ist nicht einfach, wenn Heinz getragen werden muss und Alwin wie immer in seiner Schubkarre liegt. Sogar der Bärenwirt ging mit, weil er hoffte, bei mir noch seine fünf Flaschen Sekt verkaufen zu könne.

Sodom und Gomorra! Von wegen Tupperparty! Als wir zwölf Männer heimlich ins Haus geschlichen waren und ich, nachdem ich Opa endlich vom Schlüsselloch weggetragen hatte, die Wohnzimmertür aufgerissen und „ Überraschung“ geschrieen habe, brach das Chaos aus. Die meisten Frauen waren halbnackt. Sogar die Frau von Heinz hatte nur ein Negligé an, obwohl sie zwei Zentner wiegt. Meine Frau stand mit schwarzen Strapsen auf dem Tisch und die Frau des Bäckers hatte nur einen weißen Slip an, damit man das Mehl von dem Bäckergesellen nicht so an ihrer Unterwäsche sieht. Alwin hat seit zehn Jahren seine Frau zum ersten Mal wieder völlig nackt gesehen und musste wiederbelebt werden. Er hat eine Flasche Sekt in einem Zug leer getrunken. Die Frau des Lehrers und die Pfarrköchin habe ich in meinem Schlafzimmer gefunden. Seit die SPD an der Regierung ist, verfallen sogar die Sitten in unserem Dorf. Können die Weiber nicht warten bis ich zu Hause bin und sich über die Reihenfolge einig werden? Es wurde auf jeden Fall noch eine tolle Party. Der Bärenwirt hat noch zehn Flaschen Champagner geholt. Ich muss zugeben, meiner Frau stehen die schwarzen Strapse gar nicht schlecht. Die Nacht werde ich so schnell nicht vergessen. Auch die Pfarrköchin nicht, da sie unter unserem Bett eingeschlafen war. Die nächste Tupperparty findet bei Heinz statt. Wir Männer haben beschlossen, wieder gegen Mitternacht dazu zu stoßen. Der Bärenwirt will die Veranstaltung sponsern. Wir haben nichts dagegen. Hauptsache, die Tupperparty finden nicht im Bären statt. Denn diese Stätte ist uns heilig.

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