"Frauen telefonieren länger -
Satirische Geschichten aus (m)einem Dorf"

Mein drittes Buch - ist im novum Verlag erschienen.

ISBN: 978399010025-7;
Preis 9,70 €, 196 Seiten.

Natürlich erhalten Sie das Buch wieder in jedem Buchverlag und mit Widmung bei mir.

Link zum Verlag:

www.novumpro.com
Leseprobe:  Frauen telefonieren länger

Es läutete erneut. Es klang, wie es immer bei der katholischen Militärseelsorge geklungen hat. Hasso ging in Habachtstellung und meine Haltung straffte sich peristaltisch.

„Koch!!! Haben wir NATO-Alarm?“
„Herr Koch?“
„Für Sie immer noch Herr Oberst Koch!“
„Entschuldigung, ich …“
„Wo stehen die Russen?“
„Die Russen? Nein, ich …“
„Lieber Gott! Die Amis? Ich habe es gewusst. Barack Obama hat bei seiner Rede in Berlin 2008 zu oft gelächelt. Ich habe damals schon die Merkel angerufen. Aber man hat mir ja nicht geglaubt. Wahrscheinlich haben die Banken um den Einmarsch gebeten.“
„Nein, Herr Koch. Das hat nichts mit Amerika zu tun. Ich rufe an, weil …“
„Sagen Sie nichts! Lafontaine hat das Saarland an die Franzosen verraten. Die Franzmänner sind einmarschiert. Wo ist unser Hauptgefechtsstand?“
„Hier ist Badenstrippe.“
„Sehr gut! Gute Tarnung! Da wird keiner unser Hauptquartier vermuten. Ist der Verteidigungsminister schon da?“
„Lassen Sie mich doch ausreden.“
„Sie müssen mir nichts sagen. Jetzt haben wir die Chance, die Geschichte zu
revidieren. Die Schmach von Verdun muss gelöscht werden.“
„Verdun?“
„Mein Junge, da sind Sie noch als Kaulquappe durch die Gegend geschwommen.“
„Es geht um Ihren Anschluss.“
„Ich verstehe. Ich habe noch ein altes Verschlüsselungsgerät von meinem Opa im Keller. Ich werde es sofort installieren.“
„Nein, hören Sie doch mal zu.“
„Junger Freund, ab sofort kein Wort mehr über die offene Leitung. Feind hört mit. Wie lautet die Parole bis Mitternacht?“
„Hier ist Badenstrippe.“
„So ein Unsinn! Die Parole muss aus zwei Wörtern bestehen, die zusammen keinen Sinn ergeben. Aber das können Sie ja nicht wissen. Ich schlage Schwiegermutter–Geschenk vor.“
„Herr Koch …, Herr Oberst Koch, hier ist Badenstrippe und …“
„Geben Sie mir nur noch mit Bezugspunkten die Koordinaten des Hauptquartiers durch. Ich bin in zwei Stunden dort.“
„Was für Bezugspunkte?“
„Lieber Gott, hat Ihnen Ihr Vater nichts beigebracht? Auf jeder Karte gibt es ein
Koordinatensystem. Die Karte ist nach Norden ausgerichtet. Um die Koordinaten zu verschleiern, benutzt man Bezugspunkte. Diese wechseln mit der Parole.“
„Mit der Schwiegermutter?“
„Geschenk.“
„Geschenk?“
„Wie sollen wir diesen Krieg gewinnen? Wenn Sie Schwiegermutter sagen, muss ich mit Geschenk antworten. Damit sind wir Roger!“
„Sie müssen uns nichts schenken. Im Gegenteil, wir wollen Ihnen etwas schenken.“
„Hören Sie, ich rufe meinen Freund im BmVg an. Der kennt die Koordinaten des Hauptquartiers sicher. Schönen Dank für Ihren Anruf.“
„Herr Koch…?“
Jetzt musste es schnell gehen. Zum Glück habe ich meinen Seesack immer gepackt
im Keller stehen. Ich werde mir nur noch die Augenbrauen kurz schneiden müssen, dann kann es los gehen. Ich hätte nicht gedacht, dass man auf meine überragenden militärischen Kenntnisse noch zurückgreifen würde.

„Erich, wer hat denn angerufen?“
„Das Hauptquartier.“
„Douglas?“
„Nein, das militärische Hauptquartier.“
„Hast Du Deinen Beitrag für das Bundeswehrsozialwerk nicht bezahlt?“
„Quatsch! Generalmobilmachung!“
„Was? Guter Gott! Und da brauchen sie Dich dazu?“
„Ich bin ihr wichtigster Mann!“
„Du? Mit Deinen Fahrkünsten? Wie willst Du einen General fahren?“
„Welchen General?“
„Das weiß ich doch nicht. Du erzählst mir ja nie etwas.“
„Klara, die Franzosen sind ins Saarland einmarschiert. Wahrscheinlich hat Lafontaine
sie heute Nacht rein gelassen. Ich nehme an, Bisky hat ihm geholfen.“
„Biskin? Du meinst Biskin, die Firma, welche dieses Haartonikum herstellt, hat den Einmarsch gesponsert?“
„Klara, ich muss los. Wir sehen uns wahrscheinlich erst in Paris wieder.“
„In Paris?“
„Dieses Mal werden wir nicht in den Ardennen stecken bleiben.“
„Lieber Gott, was ziehe ich denn an, wenn ich Dich in Paris besuche?“
„Und denk daran, wenn ich anrufe. Unser Kennwort ist Mutter–Kuchen.“
„Warum Mutter–Kuchen?“
„Weil du nicht backen kannst.“
„Ja, ich weiß, so gut wie Deine Mutter kann niemand backen. Aber Deine Mutter ist tot.“
Das Telefon klingelte. Ich nahm kurz ab und legte den Hörer sofort wieder auf. Bestimmt war es ein Sabotageakt der Linken, die meine Abfahrt durch Versprechungen auf garantierte Sterbedaten für Schwiegermütter verhindern wollten.

„Klara, wenn jemand anruft, Du weißt nicht, wo ich bin.“
„Bist Du nicht im „Bären“?“
„Im „Bären“? Was soll ich im „Bären“?“
„Immer wenn Du mir irgendwelche Geschichten erzählt hast, wo Du überall hin musst, bist Du betrunken vom „Bären“ nach Hause gekommen.“
„Klara, Du hast nichts verstanden. Wir haben Generalmobilmachung!“
„Glaubst Du, ich bin blöd? Ich habe schon verstanden, dass der Stammtisch
Generalversammlung hat.“
„Du treibst mich in den Freitod. Wir haben Krieg! Die Franzosen stehen im Saarland.“
„Sind die schlimmer als die Holländer?“
„Holländer? Sind die auch einmarschiert?“
„Du sagst doch immer, das sei wie eine Invasion. Nur dass sie ihre Panzer gegen Anhänger getauscht hätten.“
„Klara, wo ist mein Seesack?“
„Dein Seesack?“
„Ja, mein Seesack!“
„Meinst Du den alten, dreckigen Sack, der im Keller lag?“
„Genau den.“

Es klingelte wieder. Ich habe abgenommen, kurz aufgelegt, dann den Hörer neben die Station gelegt.
„Den habe ich letzte Woche in die Altkleidersammlung gegeben.“
„Was hast Du!?“
„Das Zeug hat gestunken.“
„Das Zeug war imprägniert. Das kann gar nicht stinken.“
„Es hat gestunken. Jetzt mach doch nicht so einen Aufstand. Sonst gehst Du auch in Deiner Trainingshose in den „Bären.“
Laut: „Ich gehe nicht in den „Bären“.
„Warum willst Du dann das Zeug anziehen?“
„Wir marschieren in Frankreich ein!“
„Also, in Paris läufst Du mir auf keinen Fall in diesen Klamotten herum. Ich schäme mich ja für Dich. Du hättest mir auch rechtzeitig sagen können, dass Ihr dieses Jahr
Euren Stammtischausflug nach Paris macht.“
„Wir machen keinen …“

Es war sinnlos. Frauen haben kein Gefühl für das Wichtige im Leben. Wenn es nicht um String Tangas oder einen neuen Nagellack geht, macht ihr feinnerviges Hirn
seine Leitungsbahnen gar nicht auf. Sie reden mit einer Gummiwand.
Ich ging in den Keller, um den Seesack zu suchen. Sie hatte ihn tatsächlich in die Altkleidersammlung gegeben. Wie soll Deutschland mit solchen Frauen wehrhaft bleiben? Nicht nur, dass sie dem Vaterland nicht mehr genug männliche Soldaten zu Verfügung stellen, sabotieren sie auch noch die Reservekräfte.
Die Kinder, die heute geboren werden, haben bereits bei der Geburt derart viele Schäden, dass mehr als die Hälfte „Tauglich 5“ gemustert wird. Das sind die Menschen, die später als Olympiasieger im Gewichtheben ein qualvolles Ende
nehmen. Ich nehme an, dass die Babys durch halbe Zigaretten, Espressi und Hausmänner nachhaltig geschädigt werden.

Ich werde in Zivil einrücken müssen. Eine Erniedrigung für einen Offizier der Reserve, wie sie schlimmer nicht sein könnte. So muss sich Jeanne d´Arc gefühlt haben, als man sie verbrannt hat.

Kontaktdaten

Erich Koch
Am Einfang 38/1
88630 Pfullendorf
Tel: 07552-936942
erich.ko(at)web.de